Helix – Buchrezension

CHRISTOPH GEISER

Selten ist es mir so schwergefallen, ein Buch zu rezensieren wie beim neusten Roman von Marc Elsberg. Sein Neuer, „Helix“, kam am 31.10. in den Handel und hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen.

Aber erstmal von vorne: in „Helix“ dreht sich alles um DNA. Also fast. Zuerst stirbt ein wichtiger US-Politiker an einem Kongress in Berlin. In Südamerika tauchen schädlingsresistente Pflanzen auf und niemand weiss woher sie kommen. Und mehr oder weniger gleichzeitig werden Ehepaare eingeladen, sich Retortenkinder mit besonderen Fähigkeiten auszusuchen und einpflanzen zu lassen.

Die Ausgangslage von Helix ist spannend und setzt sich einmal mehr mit einem weiterhin brandaktuellen Thema auseinander. Nachdem in „Blackout“ Smarte Heizungen und Hackerangriffe auf Kraftwerke zu einem kompletten Stromausfall in Europa geführt hatte und sich „Zero“ mit dem Datensammeln und sozialen Netzwerken beschäftigte, entführt uns Helix also in die Problematik der Genmanipulation. Und das auf vielfache Weise. Das Szenario der Möglichkeiten wird schon im ersten Viertel des Buches relativ schnell klar. Scheinbar gibt es genetisch veränderte Kinder, welche Fähigkeiten haben, wie sich die Eltern das wünschen: grösser, stärker, intelligenter. Superkinder eben. Nur droht das Experiment aus dem Ruder zu laufen.
Helix beschäftigt sich danach mit der Problematik für Weltkonzerne und für die Politik, die genveränderte Lebewesen und Pflanzen hätten. Soweit so gut.

Leider bleibt es dann auch dabei, was die Entwicklung der Story angeht. Die Gefahr bleibt bestehen, die Spannung flacht ab. Die Auflösung schleppt sich dahin – vieles ist vorhersehbar.
Zwar will man wissen, wie es ausgeht, der Worst Case ist aber schon längstens bekannt und das Überraschungsmoment nicht mehr vorhanden. Auch das Ende ist nur zum Teil zufriedenstellend. So wird – Achtung Spoiler – beispielsweise komplett offengelassen, was mit einem zweiten Röhrchen eines Virus zur Genmanipulation männlicher Hoden für die Weitergabe der DNA bei einer Befruchtung, passiert. Der Leser kann das nur vermuten. Ein Hinweis wäre hier interessant gewesen. Auch was mit dem Ehepaar passiert, welches wird begleiten, wird nur zum Teil geklärt. Das ist schade.

Schwierig ist zudem, dass es keine festen Hauptcharaktere und Sympathieträger gibt. Zwar wurde auch bei Blackout und Zero zwischen verschiedenen Handlungssträngen gewechselt, Elsberg konzentrierte sich aber konkret auf 2-3 Hauptpersonen. Diese gibt es bei Helix nur bedingt. Und das Schlimmste: mit keiner verbündet oder verbrüdert man sich innerlich. Die Charaktere bleiben blass. Man will zwar wissen, wie die Geschichte für sie ausgeht, aber so wirklich, wirklich wichtig ist es dann aber auch nicht. Das liegt teilweise auch am gefühlt wenig sorgsamen Umgang von Elsberg mit den Hintergrundgeschichten der Hauptpersonen. Ein Beispiel: die Leiterin der Sonderkommission, die für die USA das ganze Thema aufklären soll, steckt mitten in einer Ehekrise – so wird es angedeutet. Aber spätestens ab der Buchmitte wird das Thema nahezu fallengelassen und zum Schluss überhaupt nicht mehr aufgegriffen.

Ein weiterer Kritikpunkt – gerade auch von vielen anderen Rezensenten – ist auch der Sprachstil des Buches. Nachdem ich im Vorfeld einige Reviews dazu gelesen habe, achtete ich auch konkret darauf und stellte regelmässig fest, dass Sätze (Wortwahl, Grammatik, Stil) beim Lektorieren hätten auf- und durchfallen müssen. Das ist natürlich schade und zerstört den Lesefluss.

Ist Helix nun ein schlechtes Buch? Nein, sicher nicht. Trotz der vielen Kritikpunkte fand ich Helix interessant und unterhaltsam. Aber es reicht leider bei Weitem nicht an Blackout oder Zero heran. Die Schreckensszenarien, vor allem auch in der Durchführung, sind bei Helix weniger gut gelungen als bei den Vorgängern.

Aber wer sich für Biologie und Gentechnologie in Romanform interessiert, der kommt aktuell nicht an Helix vorbei.
Wertung: 6 von 10 Punkten