Meine Güte, meine Küche. Ganz ehrlich? Ich find sie nicht hübsch. Aber sie funktioniert. Und sie war kostenlos (der vorherige Mieter wollte sie nicht mitnehmen und hat sie mir kostenlos überlassen.) Warum also eine neue Küche kaufen?
Aber der Ofen ist langsam alt geworden. Zu alledem war es so einer dieser schmalen All-in-One Ofen-Herd-Kombi. Das hatte mich schon eine Weile gestört. Und dann die Arbeitsplatte. Ugh, so mit einem Marmor-ähnlichen Furnier. Wenn es wenigstens wie Marmor aussehen würde… Naja, wie gesagt: man kann damit arbeiten, schön sein muss es nicht.

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Ein Teil der alten Küche: Herd, Ofen, Küchenzeile

Aber nachdem der Ofen nun anfing, etwas auseinander zu fallen, dachte ich: ach komm, tauschen wir Herd und Ofen mal aus. Die Idee war: neuer Ofen und neuer Herd bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus einkaufen, einbauen, vielleicht noch etwas drum rumbauen, dass es einigermassen gut aussieht und dann passt das.
Tja, schön wärs gewesen…

Problem 1: diese älteren Einbauherde mit Ofen (oder Einbauofen mit Herd) sind ca. 50 cm breit. Ein Standardofen ist 60cm breit. Sprich: irgendwie hab ich nicht genug Platz.
Idee: rechts neben dem Herd steht ein kleines Kästchen und da wo normalerweise eine Schublade ist, ist nur eine Verkleidung. Also Kästchen einfach um 10 verkleinern.
Soweit so gut.

Problem 2: entsteht aus Problem 1 und war ein grundsätzliches Thema: so ein Herd wird ja normalerweise in die Arbeitsplatte eingelegt. Und da an der Stelle, wo mein Herd/Ofen steht, keine Arbeitsplatte ist, wird das schwer. Klar, ich kann was basteln – aber ob das gut aussieht? Ich bezweifle es. Und hab ich schon erwähnt, dass die Arbeitsplatte wirklich hässlich ist?
Okay, sie hat einen Vorteil: Wasser ist nicht so gut sichtbar ;).
Idee: komm, wenn schon dann schon richtig. Ich tausche gleich die komplette Arbeitsplatte.

Auf gehts.
Es wurde eingekauft:

Schwedisches Möbelhaus:

  • Herd für 149 Euro
  • Ofen für 199 Euro
  • Einfaches Gestell für den Ofen, 25 Euro

Grosses Bauha… äh… Fachgeschäft für Bauen und so

  • 2 Arbeitsplatten – zugeschnitten auf die gewünschte Länge (da Ecke)
  • Akkuschrauber (war sowieso schon lange dringend nötig)
  • Pattex One for All Transparent (Silikon)
  • Silikonpistole
  • Dichtungsleisten und passende Ecken und Abschlüsse (System 118)

arbeitsplatte
Die neue Arbeitsplatte

Schritt 1: irgendwie muss diese Arbeitsplatte raus.
Die Arbeitsplatte links vom Herd müsste ja am einfachsten sein (nur kurzes Stück). Also kurz von unten die nötigen Schrauben entfernt und dann hochgedrückt. Okay, das Silikon hält. Auf der Herdseite gab es dann auch rasch nach, aber rechts wurde das nichts. Na gut, muss wohl erst der Herd weg. Vorsichtig alle Silikonseiten aufgeschnitten (seitlich und hinten) und gewalt… äh… gefühlvoll daran gezogen. Irgendwann hing dann nur noch der Wandsilikon dran – aber der hielt echt bombenfest. 3 Mal mit dem Messer dahinter, bis der Herd rauskam. Davor aber schnell noch die Sicherungen für den E-Herd ausgemacht – ich wollte ja auf Nummer sicher gehen. Den Herd habe ich dann gleich von den Kabeln getrennt und aus der Küche entfernt. Die linke Platte wollte dann nun aber immer noch nicht weg. Mir kam ein Gedanke, der mir nicht so recht gefallen wollte… War die Platte etwa am Kasten vom Kühlschrank angeschraubt? Kurz reingeschaut: jep, scheint so. Eine Schraube war erreichbar, aber mindestens 2 weitere waren vom Kühlschrank verbaut. Und nein, ich hatte keine Lust, den Kühlschrank rauszuholen. Wirklich nicht. Und da Gewalt keine eine Lösung ist in dem Fall, habe ich es gemacht, wie bei einem wackeligen Zahn: vorsichtig an der Platte gewackelt. Immer mehr. Irgendwann war die Platte draussen und die Schrauben immer noch da wo sie hingehörten (keine Beschädigung am Holz des Kühlschrank-Schranks.
Die Arbeitsplatte rechts neben dem Herd war natürlich auch nicht so einfach demontierbar. Die Ecke war wie es sich gehört zusammengeschraubt. Nach der Entfernung der Verschraubung und auch der anderen Schrauben, habe ich festgestellt, dass die Ecke auch noch verklebt ist. Also musste ich ganze Platte raus. Zuerst also die Wandleisten entfernen und auch bei der Spüle alles gelöst was nötig ist (Wasser abstellen nicht vergessen! (Nein, ich hab dran gedacht – echt!)). Ich hätte beinahe auch gleich die ganze Spüle rausgenommen, aber irgendwann bin ich drauf gekommen, dass ich das besser mache, wenn die Platte raus ist – sonst würde ich gar nicht an alle nötigen Teile hinkommen.
Nach der Trennung vom Wasser konnte ich die Platte dann – ebenfalls mit vorsichtigem Wackeln – vom Silikon rechts an der Wand und hinten lösen. Endlich war die Platte ganz raus. Schnell noch das Spülbecken rausgenommen und die Plattenteile aus der Küche geschafft.

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Die alte Arbeitsplatte ist weg – mei, war das dreckig da hinten

Schritt 2: neue Arbeitsplatte vorbereiten
Die neue Arbeitsplatte wollte ich ohne kompliziert geschnittene Ecke einbauen. Also einfach zwei Stücke an die Wand und dann seitlich mit einem Metallstück verbinden (gibts so zu kaufen aufgrund der Rundungen der Platte). Soweit so gut. Jetzt musste ich aber für die Spüle und den neuen Herd die Löcher ausschneiden. Also: messen, zeichnen, anbohren und dann mit der Stichsäge ausschneiden.
Da ich sowas wie zwei linke Hände habe, war bei der Bohrung mit dem grossen Bohrer das Loch irgendwie zu weit draussen. Beim Einpassen der Spüle hat sich der Lapsus hinten rechts bemerkbar gemacht. Aber man sieht es nur, wenn man hinschaut – und Silikon hat es abgedichtet. Passt. Spüle gleich wieder eingebaut und befestigt.
Die Platte habe ich dann auch gleich dahin gelegt, wo sie hingehört.
Bei der langen Platte für den Herd, hatte ich mehr Probleme. Das Loch für den Herd war schnell gemacht, aber da waren noch die beiden Schrauben vom Kühlschrank. Ich hatte kein Werkzeug die Abzuknipsen (waren etwas dickere Schrauben) und so einfach rausholen war nicht. Lösung: einfach in die neue Platte zwei Löcher für die Schrauben bohren. Mit etwas Augenmass und einigen Bohrversuchen (ich hasse verleimte Spanholzplatten…) wurde das möglich: die Platte liess sich bündig an die Kühlschrankwand anbringen.
Aber was war denn das? Die Platte war zu lang. Irgendwo bei meiner initialen Messung der Längen und Breiten und Tiefen hatte ich wohl 5 Milimeter unterschlagen. Die Platte passte an der Ecke nicht an die andere Platte. Mist!

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Hilfe, die grosse Platte ist 5mm zu lang!

Und dann machte ich den grössten Fehler beim Umbau: ich mass, zeichnete eine Linie und sägte die 5 mm mit der Stichsäge(!!) weg… Natürlich passierte das, was passieren musste: so wirklich genau war meine gesägte Linie nicht… und sie splitterte. Das sah unschön aus. Zwar passte die Platte jetzt hinein, aber schön war es nicht. Und auch der Metallrahmen passte nicht wirklich in die Lücke. Und aufgrund der Splitterungen würde hier schnell Wasser ins Holz laufen und aufquellen. Mist! Na gut, das Problem wird später gelöst… erstmal weiter.

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Schlecht zugeschnitten und die Leiste passt nicht!

Schritt 3: der neue Ofen und der Herd
Das Möbel für den neuen Ofen war etwas zu hoch für meine recht tief gebaute Küche (mein Kreuz dankt es mir jedes Mal beim Spülen). Aber ich hatte keine Lust, die ganze Küchenzeile zu erhöhen, also habe ich das Möbel etwas tiefer gebaut: mit einer Kreissäge, die ich benutzen durfte (ja ich weiss, die hätte ich schon für die Arbeitsplatte benutzen sollten…), habe ich die beiden Bretter vom Möbel um 10 cm gekürzt. Dann zusammengebaut – wie man das so bei schwedischen Möbeln so macht, ne?
Der neue Ofen kam dann hübsch verpackt daher. Mal schnell ausgepackt und ins Möbel gestellt. Passt einwandfrei. Dann gleich mal an die Stelle geschoben, an die das ganze Ding dann hin soll. Auch einwandfrei (Möbel ist leicht länger als der Rest der Küchenzeile, das ist aber nicht schlimm).
Auch den neuen Herd ging relativ problemlos ins zugesägte Loch der Arbeitsplatte. Soweit so gut.

Schritt 4: das 36cm-Kästchen
Da war noch dieses Kästchen, dass ich kleiner machen wollte. Ich hatte es inzwischen ganz aus der Küchenzeile ausgebaut und wollte die nötigen Bretter für die Kürzung wegschrauben. Aber ne: die Holzdübel waren komplett verklebt. Ich hätte das Ding nur mit viel Gewalt in seine Einzelteile zerlegt. Kürzen und wieder Einbauen wäre da dann keine Option mehr gewesen. Also kurz umdisponiert: das ganze Kästchen kommt weg, die 36cm zwischen Herd und Küchenzeile nutze ich als Ablage z.B. für Abfall oder Pfandflaschen und mache einen Vorhang davor. Einfache aber gute Lösung ;).

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Das zu kürzende Kästchen: leider mehrheitlich verklebt – keine Chance

 

Schritt 5: Elektroarbeiten und Sanitärinstallation
Herd und Ofen werden an einen Starkstromanschluss angeschlossen. Davon gibt es in der Küche in der Regel einen. So auch bei mir. Der Anschluss hat 3 Phasen, einen Nullleiter und eine Erdung. Der Ofen braucht eine Phase, der Herd 2 Phasen. Der Nulleiter und die Erdung müssen jeweils doppelt geführt werden. Mit zwei Lüsterklemmen und etwas zusätzlich gekauftem Kabel habe ich dann Herd und Ofen an die Phasen angeschlossen sowie die Erdung und den Nulleiter (ebenfalls mit Lüsterklemme) verdoppelt und alles angeschlossen. Natürlich mit ausgeschalteter Sicherung. Danach ein vorsichtiger Testlauf: einschalten der Sicherungen – nichts knallt, FI ist noch aktiv… okay, das ist ein Anfang.
Dann den Ofen an – läuft. Herd an – läuft. Sehr gut. Sicherungen alle wieder rausgenommen und weitergebastelt. Die Starkstromkabel müssen entlastet sein, weshalb ich darauf geachtet habe, dass auf keinem Kabel Zug ist. An der Wand habe ich die Kabel dann entsprechend festgemacht. Die Lüsterklemmen habe ich mit Isolierband isoliert -für den Fall, dass da doch mal Wasser hinkommen würde.

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Der Anschluss des alten Ofen/Herd: 1 Phase für den Ofen, 2 für den Herd

Apropos Wasser: jetzt musste die Spüle wieder angeschlossen werden. Kein Problem, dachte ich, ne? War es eigentlich auch nicht. Nur: Wasser kam keins. Ich konnte machen was ich wollte – Wasser kam aus dem Hahn keins – aber aus den Rohren schon. Hää?
Um eine Überschwemmung zu vermeiden, liess ich dann kurzerhand den Sanitär kommen, der sich das Ganze kurz anschaute. An meiner Installation hatte er nichts auszusetzen. Fehlerquelle war unterm Strich: der Strahlregler war wohl nicht mehr sonderlich gut. Und jetzt ging er gar nicht mehr. Kurz ausgetauscht und alles gut. Zur Sicherheit kontrollierte der Herr noch  Wasserhahn und den Rest der Anschlüsse und dann ging alles *yay*.

Schritt 6: Befestigungen
bisher war die Platte nur aufgelegt, jetzt musste sie befestigt werden. Dazu habe ich die Platte wieder von unten an die Küchenzeile angeschraubt. Alles kein Problem. Auch das Möbel mit dem Ofen wollte befestigt werden. Dazu habe ich einfach seitlich und hinten jeweils 2 Schrauben ins Holz gerammt. Hält. Der Ofen wurde dann ebenfalls mit 4 Schrauben am Möbel fixiert. Der Herd bekam noch eine leichte Dosis hitzefestes Silikon untergespritzt (aber nur ganz wenig, da der Herd schon eine Gummierung hat). Hält auch.
Die gekauften Dichtungsleisten für die Wand mussten nun zugeschnitten werden. Geht mit der Stichsäge einwandfrei ;). Nur: diese Leisten sind sauteuer. Unterm Strich fast so teuer wie das Holz für die Arbeitsplatten. Ernsthaft. Die Leisten werden dann mit der Arbeitsplatte verschraubt und das Oberteil drauf geklickt. Auch das soweit ohne Problem. Damit die Platte hält und kein Wasser reinläuft, habe ich rechts zusätzlich noch etwas Silikon zwischen Wand und Platte gespritzt (trotz Leiste). Links am Kühlschrank-schrank habe ich keine Leiste montiert. Eine ganz kleine Silikonmenge hat dort auch alles abgedichtet und es sieht bündig und gut aus.

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Für die Befestigung der Leiste und das Bohren der Löcher, habe ich das Ding kurz mit Klebeband fixiert

Schritt 7: Ausbesserung des Fehlers
Da war also noch dieser eine Fehler: die Verbindung der beiden Arbeitsplatten-Teile. In der Not war mir hier die mehr oder weniger rettende Idee gekommen: beim obigen Kaufparadies für Baubegeisterte (ich war 5 oder 6 Mal da insgesamt :D) habe ich mir eine dünne, einfache, Türleiste aus Metall gekauft. Diese hat schon einen Kleber und dichtet also ganz gut. Dazu gab es noch eine Schraubzwinge (sowas sollte jeder Bastler haben), denn die beiden Teile der Arbeitsplatten hatten auch einen Höhenunterschied von ca. 2-3 Milimeter.
Nun habe ich den Spalt zwischen den Platten erstmal mit viel Silikon gefüllt. Mit der Schraubzwinge habe ich zudem vorne die beiden Platten versucht, auf gleiche Höhe zu bringen. 24 Stunden dran gelassen und gut wars. Danach nur noch die Leiste auflegen und gut ist. Hält und sieht einigermassen gut aus.

leiste
Eine ganz einfache Türleiste aus Metall soll das Problem nun lösen

Schritt 8: Putzen und Einräumen!
Dazu muss ich wohl nix sagen ;).

Und so sieht die fertig umgebaute Küche nun aus (Boden nicht beachten, der ist noch nicht geputzt ;)):

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Die fertige Küche mit neuem Herd, neuem Ofen und neuer Arbeitsplatte

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Hier der freie Platz – der Vorhang fehlt noch (das Holz auf und unter der Arbeitsplatte: das war noch zur Zeit wo die Schraubzwinge zwang ;)).

Das Ergebnis lässt sich für meine beiden linken Hände sehen ;).
Zeitaufwand: 2 komplette Samstage.