Bowers & Wilkins P5 Series 2 im Test

CHRISTOPH GEISER

Vor etlichen Jahren – als ich noch in der Schweiz wohnte – hatte ich mir mal einen richtigen Kopfhörer gegönnt: den P3 von Bowers & Wilkins. Dieser lag damals im Preisrange von ca. 200 Schweizer Franken. Ziemlich schnell hat sich herausgestellt, dass dieser Kauf (was Kopfhörer anbelangt) der Beste überhaupt war.

Die Musik auf meinen Ohren klang plötzlich ganz anders und vor allem viel besser als mit vielen anderen Kopfhörern, die ich bis dahin hatte. Selbst die 80 Euro Sennheiser-In-Ear Kopfhörer kamen da nicht ran.
Den P3 hatte ich nun etliche Jahre im Einsatz und letztens war es soweit, dass ich sagen musste: das wars nun… der rechte Bügel machte sich selbständig. Er lässt sich zwar wieder rein drücken, aber nicht befestigen. Für zwischendurch am PC geht das noch, aber für alles Andere muss ein neuer Hörer her.

Im Netz habe ich mich dann etwas schlau gemacht. Mittlerweile gibt es beispielsweise vom P3 den Nachfolger als Series 2. Mit 149 Euro auch in einem guten Preisbereich. Aber die Änderungen zum Vorgänger sind recht marginal. Also habe ich mich noch etwas weiter umgeschaut. Und der damals für mich unerschwingliche grössere Kollege, der P5 in der Serie 2 war auch grad für 149 Euro zu haben.

Zwar gibt es den P5 auch als Wireless, aber mit über 130 Euro Mehrkosten (289 Euro) und den bereits vorhandenen Bluetooth-Kopfhörer im Haushalt, habe ich mich dann für den ebenfalls 149 Euro teuren P5 Series 2 mit Kabel entschieden.

Der P5 kommt in einer attraktiven, schwarzen Verpackung. Sieht sehr hübsch aus. Der Inhalt noch viel mehr: der P5 Series 2 sieht wirklich toll aus: Der Bügel und die Muscheln sind aus schwarzem, hochwertig wirkenden Leder. Damit der Bügel auf dem Kopf angenehm sitzt, ist unter dem Leder eine weiche, angenehme Schaumstoffschicht angebracht. Der Rest des Bügel besteht aus Metall und lässt sich nach Wünschen ausziehen, damit der Hörer gut sitzt. Die beiden Metallschienen wirken im Vergleich zum P3 zudem etwas stabiler.
Das Einzige was fehlt – gegenüber dem P3 – ist die Klappeinrichtung. Den P3 konnte man platzsparend zusammenklappen. Das fehlt dem P5. Dafür – und das ist ein grosser Vorteil gegenüber einem P3 – sind die Ohrmuscheln um rund 100° drehbar. Das ist praktisch beim Aufräumen der Hörer in die mitgelieferte Tasche (etwas kleiner als ein iPad mit Magnetverschluss – gefällt mir gut :)) und auch was das Anschmiegen der Muscheln an die Ohren betrifft.

Dann sind wir auch schon beim Wichtigsten Punkt der Ergonomie: der Sitz auf den Ohren. Der passt perfekt und auch nach Längerem Tragen ist der P5 überhaupt nicht unangenehm (den P3 musste ich jeweils nach 1-2 Stunden mal ein paar Minuten abnehmen). Die Aussenwelt verschwindet beinahe und das ohne dass die Ohrmuscheln komplett umschlossen werden (was für mich als Mensch, der recht schnell schwitzt, extrem angenehm ist).

Bowers & Wilkins bleibt sich zudem treu, wenn es um die Verarbeitung geht: der Hörer ist extrem gut verarbeitet. Gut gefällt die Möglichkeit, den Teil der Muschel aus Leder und Schaumstoff zu entfernen (z.B. zur Reinigung) – die Halterung ist dabei wie schon beim P3 magnetisch. Dabei fällt auch auf, dass das Kabel genau wie auch beim P3 ganz einfach zu tauschen ist. Im Lieferumfang sind sowohl ein Kabel mit Steuerung für iPhone/iPod (inkl. Mikrofon) wie auch ein reines Kopfhörerkabel ohne Steuerung dabei.

Auch angenehm ist, wie wenig der Hörer sich durch Berührungen beeinflussen lässt. Berührung und Zug am Kabel wird gar nicht auf das Ohr übertragen. Berührungen am restlichen Hörer werden zwar übertragen, aber sind unproblematisch. Gefällt mir ehr gut.

Dann wäre da noch das Allerwichtigste: der Sound.
Der Sound ist aus meiner Sicht – als Amateur ohne jeglichen analytischen Hintergrund was Audio anbelangt – sehr gut. Das Schöne (da mein Musikgeschmack ja sehr breit ist): sowohl Pop, Rock, etc. wie auch Klassik, gibt der Hörer sehr genau und differenziert wieder. Bei Pop und Rock wird der Bass angenehm hervorgehoben, ohne dass er übertreibt oder der Rest untergeht. Die Höhen und Mitten werden meines Erachtens sehr differenziert und harmonisch rübergebracht.

Audiophile Menschen werden beim P5 – so sagt man – die Komprimierung von MP3 oder bei Streaming-Anbietern bemerken (Artefakte). Das ist mit aber nicht aufgefallen. Selbstverständlich bemerkt man beim P5 aber den Unterschied zwischen MP3 und Losless Audio durchaus (getestet mit dem Verdi-Requiem).

Gegenüber dem P3 ist der P5 natürlich etwas Erwachsener und bringt die Musik nochmal genauer ans Ohr. Der P5 ist zudem näher am grossen Modell “P7”. Neben dem hohen Preis wäre mir der P7 auch zu gross. Der P5 ist hier optimal. Er eignet sich nämlich zum Heimgebrauch, als auch für unterwegs.

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