Ich habe letzthin im Internet einen Artikel mit 10 Gründen gefunden, warum man besser nicht “Chef” wird.
Neugierig habe ich diese durchgelesen, denn seit knapp einem Jahr habe ich im Unternehmen, in dem ich nun arbeite, eine Führungsposition doch recht weit oben.
Und irgendwie kann ich den Gründen nur zum Teil recht geben. Hier ein Abriss:

Sie machen das, was Sie können
Sie sind gut in Ihrem Job und machen das, was Ihren Neigungen entspricht: Warum sollten Sie das ändern und aufreibende Führungsverantwortung übernehmen?

Dem kann ich nicht recht geben. Wenn man die Neigung zu einer Führungsposition hat, kann dies unabhängig von den übrigen fachlichen Qualitäten sein. Ich habe mich dafür interessiert, trotz meiner IT-Affinität (die mir aber jetzt sehr zugute kommt).

Teamplayer statt Einzelkämpfer
Sie mögen Ihre Kollegen und arbeiten gerne mit Ihnen zusammen? Bedenken Sie, dass Sie als Chef vermutlich häufig einsame Entscheidungen treffen müssen – und das bedeutet: Schluss mit lustig

Auch in der Führungsposition arbeitet man im Team. Und zwar sowohl mit den anderen Führungskräften, als auch mit den Mitarbeitern. Meines Erachtens führt nämlich gute Führung dazu, dass der Vorgesetzt MIT seinem Team kämpft und nicht alleine auf weiter Flur. Ich versuche bei meinen Entscheidungen die relevanten Personen immer mit ins Boot zu holen.

Gut geplant ist halb gewonnen!
Man bietet Ihnen eine Führungsaufgabe an, doch Sie fühlen sich nicht vorbereitet: Überlegen Sie, ob Sie sich dem wirklich gewachsen fühlen oder ob die Sache ein Sprung ins kalte Wasser ist.

Wenn man zum ersten Mal in eine Führungsposition kommt, kann man nicht vorbereitet sein. Es ist immer ein Sprung ins kalte Wasser. Führung ist eine Sache, die man sicherlich mit Unterlagen etwas planen kann, aber wirklich vorbereiten geht nicht.

Guter Chef, böser Chef
Sie wollen gutes tun, das ist verständlich: Aber als Chef müssen Sie auch unliebsame Entscheidungen tragen und den Mitarbeitern kommunizieren: Überlegen Sie, ob Sie sich dem wirklich gewachsen fühlen!

Ja, diesem Punkt gebe ich recht. Aber auch hier ist es wichtig: es kommt darauf an wie man unliebsame Entscheidungen kommuniziert. Wenn man den Mitarbeitern das warum sinnvoll erklären kann, dann ist selbst eine unliebsame Entscheidung einfacher. Aber klar: unliebsam ist nie wirklich angenehm.

Last auf den Schultern
Wenn alles gut läuft, macht Chef sein Spaß, aber wenn’s schief geht, muss der Chef die gesamte Verantwortung tragen – das kann zum Problem werden.

Führung heißt Verantwortung. Wer Führungskraft werden will, muss sich das bewusst sein – das ist wahr. Dennoch gilt es auch hier: Verantwortung muss nicht nur auf einem paar Schultern lasten, sondern kann verteilt werden.

Freizeit adé
Mit Freunden abends noch ein Bier, das Wochenende gehört der Familie? Als Chef ist das oft nicht mehr drin. Ist Ihnen das die Aufgabe wert?

Dieser Punkt brockt sich die Führungskraft oft selbst ein. Ein Chef denkt, er muss immer erreichbar sein, er muss alles sofort erledigen, etc. Nein! Auch ein Chef ist mal nicht da. Ich habe beispielsweise für die Geschäfts E-Mails 2 Wochen Push-Nachrichten auf dem Handy eingeschaltet gehabt. Jetzt nicht mehr. Im Urlaub erreichbar? Das war einmal. Selbst mein Chef macht das so und rät mir auch dazu. Zudem: ein guter Chef sorgt dafür, dass seine Verantwortungsbereiche für die Dauer der Abwesenheit auch ohne ihn funktionieren.

Stress und Ansprüche
Wer Leitungsaufgaben hat, muss stets den Überblick haben: Um Entscheidungen treffen zu können, muss man sich Sachverhalte aneignen, Vorschriften und Regeln beherrschen und seinen Mitarbeitern immer voraus sein. Haben Sie dazu Lust?

True!

Hire and fire
Umfragen zufolge fällt es Führungskräften am schwersten, Mitarbeiter zu entlassen. Genau diese unliebsame Aufgabe würde aber auch dazu gehören: Fühlen Sie sich dem gewachsen?

Ja, das ist wirklich eine unliebsame Aufgabe – und ich musst sie zum Glück noch nicht ausführen. Aber genauso wie ein Mitarbeiter jederzeit kündigen kann, so kann es auch passieren, dass man einen gehen lassen muss. That’s life.

Vorsicht vor Neidern
Wer aufsteigt, hat immer weniger Freunde. Dafür umso mehr Feinde, die schon das Messer wetzen. Wollen Sie wirklich so leben?

Dieses Argument finde ich etwas überzogen. Eine gute Führungskraft ist menschlich und offen und kann die “Neider” auf ein Minimum reduzieren. Am einfachsten ist es natürlich dann, wenn man – wie ich zum Glück – von außen kommt und nicht in der gleichen Firma aufsteigt (machts aber zum Zurechtfinden natürlich schwieriger).

Hilfe, Small Talk!
Chef sein bedeutet auch, bei jeder Gelegenheit vorsingen zu müssen: Ob Small Talk bei festlichen Gelegenheiten, Präsentationen oder große Reden: Das ist nicht Jedermanns Sache! Überlegen Sie, ob es Ihre ist!

Klar, Smalltalk ist nicht jedermanns Sache. Und man kann auch schnell in ein Fettnäpfchen treten. Dennoch ist das eigentlich recht unabhängig vom Chef-Sein finde ich. Small-Talk kann auch ausserhalb der Führungspositionen ganz gut sein.