Nachdem ich meine ZipaTile nun gut 2 Wochen habe und schon einiges damit angestellt habe, ist es Zeit für ein entsprechendes Review. Wer es weniger textlastig mag, kann unten direkt zum Video springen ;).

Gerät/Verarbeitung
Die ZipaTile kommt schick verpackt als quadratisches Gerät daher. Alles besteht aus Plastik, ist aber in diesem Rahmen soweit stabil verbaut. Das Display wird durch eine Plastikschicht zusätzlich geschützt, ist aber selbst relativ leicht zu beschädigen: sehr schnell Kratzer (mir passiert), Displaybruch bei zu viel Druck (anderen Usern passiert). Zudem sieht man auch fast jeden Fingerabdruck übermäßig (was z.B. bei aktuellen Handys viel weniger der Fall ist).

Die ZipaTile kommt mit 2 Hardware-Buttons (Lautstärke und Sleep/Power) sowie 6 Touch-Buttons (3 Links und 3 Rechts). Die Buttons sind über das Zipato-Portal frei programmierbar. In der ZipaTile werkelt ein Android-Tablet mit entsprechendem Touchscreen. Jede Menge Sensoren (von Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis hin zu Bewegungsmelder und Lautstärkemesser) und Aktoren. Die ZipaTile enthält also schon viele Sensoren, die sonst teuer dazugekauft werden müssten.

Der Gerätepreis geht aufgrund der eingebauten Features auf jeden Fall absolut in Ordnung.

Die Zipatile lässt sich dank wohlüberlegter Backside gut montieren: entweder man schließt das Gerät mit den mitgelieferten Kabeln an einen Unterputz-Stromanschluss an oder aber man nutzt den beiliegenden Adapter, um die Zipatile an einer Steckdose anzuschliessen. Wer das Ding nicht an der Wand mag (wo es für mich hingehört), kann es mit dem eingebauten Klappständer auch einfach aufstellen. Die Länge des Kabels ist übrigens ok, aber nicht übermäßig lang.

Software
Der grösste Kritikpunkt geht meiner Meinung nach an die Software. Die Einrichtung war bei mir etwas komplex. Ohne Basteln oder mehrfachem Reset des Geräts konnte ich dieses erstmal nicht korrekt einbinden. Wurde das Gerät direkt aktiviert, sagte mir die Zipato-Oberfläche ich soll bitte ein Gerät registrieren. Registrierte ich es über das Web, wurden die ganzen Sensoren erstmal nicht korrekt eingebunden (das macht der Assistent auf der Zipatile). Auch beim Einrichtungsassistenten auf der Zipatile gab es Probleme: manchmal bewirkte der Weiter-Button einfach nichts. Man konnte den Assistenten höchstens abbrechen und neu starten.

Dem Tablet merkt man den Android-Unterbau nicht nur an, viele Features von Android können direkt angesprochen werden. Zwar ist alles auf die Zipatile ausgerichtet, aber die Applikation ist eigentlich auch nur eine App auf dem Android-System, die ausgeführt wird. Hier könnte man noch mehr umbauen – vor allem für unbedarftere User.

Auch die Synchronisation mit my.zipato (also der Cloud-Schaltzentrale) funktioniert manchmal träge, manchmal nicht. Neue Geräte werden entweder in die Cloud (wenn von dort hinzugefügt) oder in das Gerät (wenn über das Gerät hinzugefügt) eingebunden – die Synchronisation funktioniert aber nicht sofort. Manchmal dauert es Minuten oder Stunden bis ein Gerät auf der anderen Seite auftaucht, gewisse Geräte werden überhaupt nicht synchronisiert (z.B. meine Steckdosen oder virtuelle Schalter). Das gleiche mit angelegten Räumen, was im schlimmsten Fall zu doppelten Räumen führt.

Ab und zu verliert die ZipaTile auch mal die Verbindung zur Cloud – das führt dann zu eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten.
In den 2 Wochen kam das aber nur 2 mal vor, in erster Linie wenn ich sowieso viel am Basteln war. Es kann zudem passieren, dass Aktionen zeitverzögert ausgeführt werden. Aber auch das passierte nur sehr selten.

Steuerung, Regeln, etc.
Ein klarer Vorteil sind die fast endlosen Möglichkeiten, die man mit der Zipatile hat. Mit dem Regelwerk von my.zipato kann fast jede Situation abgebildet werden und mit den nötigen Sensoren und Aktoren ausgeführt werden. Beispielsweise kann man regeln, dass bei Bewegung in meiner Diele das Licht automatisch angeht, wenn die Helligkeit dabei unter einem gewissen Schwellenwert ist. Und alle 5 Minuten wird geprüft ob eine Bewegung in der Diele ist – wenn nicht, geht das Licht wieder aus.

Aber auch komplexere Steuerungen sind einfach möglich: auf Knopfdruck (entweder auf der Zipatile oder auf der Handy-App für iOS oder Android) geht im Wohnzimmer das Licht aus, die Leinwand fährt herunter und Beamer und Receiver schalten sich ein. Das funktioniert alles einwandfrei und ist spielerisch einzurichten.

Einziger Punkt – aber der ist ja schon vor dem Kauf klar: das Gerät ist mit einer Cloud verbunden, benötigt Internet etc. Nur so lässt sich alles auch von außerhalb steuern. Man muss hier also ein wenig Vertrauen in eine Cloud-Lösung setzen. Wer das nicht will, muss auf Cloud-Freie Lösungen setzen.

Support
Auch wenn teilweise über Zipato gemeckert wird und der Support langsam sei: als Zipatile-Besitzer konnte ich das nicht bestätigen. Scheinbar wird aktuell großen Wert auf die Zipatile-Kunden gelegt, da es ein komplett neues Produkt ist. Meine Anfragen wurden in den ersten Tagen immer innerhalb von weniger als 1 Stunde bearbeitet und die Antworten waren sehr gut und hilfreich.
Zu Bemängeln sind allerdings auch noch die teilweise fehlenden Anleitungen: neben dem Quick Start Guide gibte s noch eine Help-App auf der ZipaTile die etwas näher auf die Möglichkeiten eingeht. Aber es gibt keine Version im Web und wer detailliertere Probleme hat (z.B. mit der my.zipato-Oberfläche) muss zwangsläufig das Forum oder den Support bemühen. Da könnte man noch was verbessern.

Fazit
Grundsätzlich ist die Zipatile ein geniales Gerät. Warum hat bisher keiner dran gedacht, aus einer Smart-Home Zentrale gleich auch eine Steuerung mit Touchscreen zu bauen? Diese Idee hat mich dazu gebracht, direkt auf die Zipatile zu setzen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Preis/Leistung der Hardware stimmen definitiv überein, da man jede Menge Sensoren mitgeliefert bekommt.
Abzüge gibt es für die Software. Hier muss noch gut dran gearbeitet werden. Bugs, Synchronisationsprobleme etc. trüben den Spaß etwas. Hier ist zu hoffen, das mit den nächsten Updates nochmal einiges nachgeliefert wird.
Das Erstellen von Regeln ist ohne Programmierkenntnisse einfach möglich. Ein bisschen logisches Verständnis muss man aber auf jeden Fall haben, um die ganzen Sequenzen korrekt zu erstellen. Aber wenn man sich mal eingefunden hat, macht es unglaublichen Spass, damit zu spielen. Mit verschiedensten Sensoren und auch der Möglichkeit Dienste wie IFTTT einzubinden, kann man fast alles realisieren, was einem vorschwebt :).
Last but not least gilt noch zu erwähnen, dass die Zipatile aktuell noch nicht im Cluster mit einer bestehenden Zipabox läuft. Der Hersteller hat dies zwar versprochen, ist aber mit der Funktion noch nicht so weit. Zipabox-Besitzer sollten also mit dem Kauf einer Zipatile noch warten, wenn sie das Gerät als Cluster betreiben möchten. Zudem werden pro Gerät für die Clusterfunktion nochmal 99 Euro fällig – auch kein Schnäppchen.

Insgesamt gebe ich der Zipatile eine Kaufempfehlung für ambitionierte Smart-Homer, die auch eine schicke Steuerung haben möchten und vor ein bisschen Basteln nicht zurückschrecken. 🙂

Zipatile Review im Video: